Antje Bleck

Über sehr viele Jahre hinweg faszinierte mich immer wieder das Spiel von Licht und Schatten sowie der Wurf meines Schattens auf die Erde. Nicht nur aufgrund der optischen Verzerrungen und Effekte, sondern es berührt mich die (für viele vertraute) Idee, dass ich als Mensch, auch im übertragenden Sinne, Licht sowie Schatten in die Welt bringe und sie eine Berührung erzeugen.
Eine kleine Auswahl der daraus entstandenen Foto-Sammlung habe ich nun für die Cyanotypie verwende. Viele habe ich kontrastreich manipuliert teils umgekehrt, dann auf Folien drucken lassen und diese noch zusätzlich bemalt. Schatten wird zu Licht, Licht zu Schatten (in diesem Fall zu Blau). Viele Bilder wurden noch mit Pinsel und Feder nachbearbeitet.

Jeder menschliche Gedanke führt zu einem Ausdruck und einer Art Abdruck im Gewebe des Weltgeschehens und der Zeit. Spürbar oder sichtbar für andere Menschen, wenn dem Gedanken eine Handlung folgt. Die Frage ist für mich nicht, ob meine Absicht gut war, obwohl ich mich natürlich bemühe zu glänzen. Eigentlich gibt es ja nur Licht. Schatten resultiert daraus. Immer ist es ein zeitgleiches Geschehen und das Eine existiert ohne das Andere nicht. Was ich gut gemeint habe, kann ganz schlecht landen.
Ich komme thematisch auch wieder zurück zu meiner Serie „Ich bin“, der Reise des Stier mit dem Herz am rechten Fleck und habe deshalb auch eines dieser Bilder überarbeitet und in diese Serie integriert.

Mein Leben lang ist und war es eine Herausforderung das universelle Geschehen, das Mysterium Wasser, alle Elemente und auch das Handeln der Menschen zu beobachten, zu erforschen und dessen Denken wertfrei zu betrachten und zu respektieren, auch wenn ich vieles nicht verstehe. Das Vehikel meine Wahrnehmungen und Erkenntnisse ans Licht zu bringen und diese zu teilen ist vorrangig meine Malerei in Verbindung mit Text und Titel.

Wenn das Wasser des Meeres über meine Bilder fließt, lasse ich unter anderem geschehen, dass Farben lichter werden und füge später Schattierungen hinzu. Die Cyanotypie in Verbindung mit Fotografie hat mich tiefer in das Thema geführt und die Kontraste sind deutlicher und kontrastreicher, lichter und schattenreicher, als die verspielte Wassermalerei und im Gegensatz zu dessen Farbenvielfalt fast monochrom (falls ich es nicht lassen konnte noch weitere Farben hinzuzufügen).

Ein Buch, „Im Grunde gut“ (von dem niederländischen Autor Rutger Bredman) hat mir in jüngster Zeit geholfen meine Meinung, teils auch meinen Zorn über das Verhalten des Erdbewohner Mensch gegenüber seines Lebensraumes, aus dem Reich der Schatten wieder ins Licht zu holen.
Das Fazit des sehr wissenschaftlichen Buches: Wir sind besser als wir denken.
(Ich empfehle es vor allem Menschen, die die Welt vorrangig über die Medien erfahren!)
Deshalb scheue ich mich auch jetzt nicht mehr, den Menschen, in diesem Fall meine „Selbstportrait-Schatten“, wieder ins Bild zu rücken und die Meerestiere nebenbei trotzdem schwimmen zu lassen. Sie bleiben meine Vorliebe!

Alles ist – „meer“ nicht.